Selbstständig mit ihren Kindern als Familie zusammen zu leben, ist für Eltern mit einer Beeinträchtigung keine Selbstverständlichkeit.
Die Behinderung der Eltern sollte per se kein Grund dafür sein, dass Kinder nicht bei ihren leiblichen Eltern aufwachsen können.
Die räumlichen und strukturellen Bedingungen für ein gelingendes Zusammenleben dieser Familien zu schaffen, ist Ziel des Projekts.
Mit dem hier dargelegten Konzept eines Wohnangebotes zur "Intensiv Ambulant Begleiteten Elternschaft" kann gelingen, dass die Familien so selbstständig wie möglich miteinander leben, dabei aber auf so viel Unterstützung wie nötig zurückgreifen können.
Im Haus 2 wird ein intensiv ambulant betreutes Wohnangebot für älter werdende Menschen mit Beeinträchtigungen entstehen: der sich hier ergebene "Mehrgenerationsaspekt" zwischen den beiden Wohnangeboten wird eine wertvolle Bereicherung für beide Mietergruppen darstellen.
Die Mieterschaft des projektierten Mehrfamilienhauses wird aus 12 Familien/Lebensgemeinschaften mit sowohl allein als auch partnerschaftlich erziehenden, volljährigen Eltern bestehen.
In jeder Familie leben mindestens ein bis maximal drei Kinder.
Die Lage des Grundstücks im Hammer Westen und die fußläufige Nähe sowohl zu Läden das täglichen Bedarfs, zu Schulen, Kindergärten, dem großen Friedrich-Ebert-Park und weiteren vielfältigen sozialen Infrastrukturen sind herausragende Rahmenbedingungen für das vkm-Familienhaus.
Die beiden neu geplanten Kuben komplettieren das im Bebauungsplan vorgegebene neue Quartier mit einer offenen Baustruktur.
Die Geschossigkeit variiert vom Haus 1 (dreigeschossig und Staffel) zu Haus 2 (zweigeschossig und Staffel) und reagiert auf die flacher ausgebildete südliche Gebäudereihe; zudem spiegelt die unterschiedliche Geschossigkeit auch die unterschiedliche Funktion der Gebäude wider.
Die Erschließung erfolgt von der Straße "Auf dem Hilkenhohl". Östlich von den Gebäuden wird die private Zuwegung für PKW und Anlieferung/Entsorgung sowie für Parkplätze erstellt.
Vom Haupteingang werden über die mittig in den Gebäuden gelegene verknüpfende Passage die jeweiligen Geschosse und
die Wohnungen erschlossen, mittels Treppe und Aufzugsanlagen. Die großzügige Dimensionierung dieser inneren Erschließungsachsen ergeben auf den Geschoßebenen jeweils eigene Kommunikationsflächen.
Die Grundkörper der Gebäudekuben werden in eine weiße Fassade gehüllt, die über eine Putzträgerplatte ausgebildet wird. Für die Terrassen und Balkone werden kleine Abstellschränke in Form von randgestellten Kisten aufgenommen. Die Fassade erhält bodentiefe Fenster in zwei Formaten, die stringent übereinander angeordnet werden.
Das Haus 1 verfügt über 12 Wohneinheiten sowie eine Dienstwohnung für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des vkm als Betreuungsstation für die IABE. Das Haus 2 verfügt über 8 Wohneinheiten. Die Grundrisse sind für Zwei- bis Vierpersonenhaushalte konzipiert.
Von der mittigen Haupterschließung der Gebäude und der Pergola zwischen den Häusern als Klammer öffnen sich die Gärten. Östlich der Gebäude verlängert sich die Zufahrt in einen geschwungenen Weg, der unterschiedliche Zonen erschließt: ruhig (Bank mit Wasserblick), kommunikativ (Grosser Tisch/ Treffpunkt) und aktiv (Spiel).
Die Flachdächer der Quartiersgebäude sind mit Dachbegrünung und Solarpaneelen ausgestattet.
Der Endenergiebedarf für die Wärmeversorgung der Wohnungen (Brauchwasser und Heizung) wird vollständig durch regenerativ im Gebäude eigenerzeugte erneuerbare Energien gedeckt (Netto-Null-Standard).
Die Staffelgeschosse sollen in Holzbauweise errichtet werden. Bei der Wahl der Baumaterialien wird insgesamt auf die Recyclingfähigkeit geachtet.
Die besonderen Mobiliätsanforderungen werden durch spezielle Bedarfsverkehre seitens der vkm e.V. sichergestellt, anderseits wird natürlich auch Wert auf die individuelle Mobilität gelegt.
Die Realisierung des vkm-Familienhauses bringt zahlreiche positive Aspekte mit sich: Zum einen bietet sie die wichtige Chance auf ein gemeinsames Leben und gesellschaftliche Teilhabe der Familien. Sie gibt den Kindern die Möglichkeit in einem entwicklungsförderlichen und sicheren Umfeld aufzuwachsen.
Auf der anderen Seite ergibt sich für die Bewohner des Quartiers die Gelegenheit, eventuell bestehende, veraltete Denkmuster durch neue, positive Erfahrungen im Zusammenleben mit Menschen mit Beeinträchtigungen zu ersetzen.